Es ist kurz vor Zwölf – 3. Therapiegipfel formuliert klare Forderungen an die Politik

Interprofessionalität, Digitalisierung, Akademisierung und viele weitere anhängende Themen: Die Liste der Punkte, die sich der 3. TherapieGipfel des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände (SHV) vor 600 online live zugeschalteten Teilnehmer*innen zur Diskussion vorgelegt hatte, machte eines unmissverständlich deutlich: Wenn eine sich kontinuierlich zuspitzende Krise des Berufsstands und damit der Versorgungssicherheit in unserem Land erfolgreich abgewendet werden soll, muss die Politik schnell und effektiv handeln.

Ganz oben auf der Agenda: Das Problem der nachlassenden Attraktivität der Heilmittelberufe und des daraus resultierenden Fachkräftemangels. Oberstes Ziel müsse es deshalb sein, das Ansehen der Therapieberufe mit den richtigen Mitteln wieder zu steigern, erklärte deshalb Ute Repschläger gleich zu Beginn der Podiumsdiskussion.

Den Anfang macht eine angemessene Vergütung. Die zuletzt erreichte Erhöhung um 14,09 Prozent ist als Teilerfolg zu werten, reiche aber keinesfalls aus, um eine wirtschaftliche Praxisführung zu finanzieren und angemessene Gehälter zu zahlen. Einen Systemwechsel forderte mit Blick auf die Bezahlbarkeit einer stärkeren interprofessionellen Zusammenarbeit und den Abbau zeitintensiver Überbürokratisierung deshalb auch Hans Ortmann. „Wir brauchen mehr Zeit für Therapien und außerdem eine zeitnahe Anbindung an die Telematikinfrastruktur. Die Praxen sind bereit, warten aber noch auf einen verbindlichen Zeitplan für die Umsetzung“.

In diesem Punkt durfte er zuversichtlich auf die Zustimmung von Franz Knieps vertrauen, der sich aus Sicht der in absehbarer Zeit unterfinanzierten Kassen ebenfalls für einen Abbau des Verwaltungsaufwands stark machte. Seine Forderung an die Adresse der Politik: mehr Freiheit, eine integrierte Versorgung sowie eine verstärkte Netzwerkbildung im Gesundheitssystem.   

Unterstützung kam auch von Andreas Pfeiffer, der eine interprofessionelle Zusammenarbeit im ambulanten Bereich für unabdingbar hält, um dem schon jetzt zu Versorgungslücken führenden Fachkräftemangel zu begegnen. Die derzeitigen Rahmenbedingungen seien darauf nicht ausgelegt, nötige Zeitfenster nicht vorgesehen und damit auch eine Vergütung der zusätzlich anfallenden Arbeit aktuell nicht in Sicht.

Beim Thema Akademisierung war es unter anderem Andrea Rädlein, die unter Zustimmung von Prof. Dr. Annette Irene Probst Position bezog: „Warum tun wir uns so schwer mit der Modernisierung der Ausbildungen? Die Akademisierung funktioniert, das zeigen die Modellstudiengängen seit Jahren“. Eine zukunftsweisende Änderung der Berufsgesetze wird im Prinzip von allen Verbänden mitgetragen und befürwortet. Allerdings dürfen dabei die Bestandstherapeut*innen keine Nachteile erfahren und ihre Berufsausübung muss sichergestellt werden.

Von der unzureichenden Vergütung, mangelnder Ermöglichung interprofessioneller Zusammenarbeit bis zum Wunsch nach mehr Zeit für die Therapie – der 3. Therapiegipfel des SHV legte den Finger auf gleich mehrere schmerzende Stellen. Zum Ziel hat die Forderungsliste der Therapeut*innen an die neue Koalition nicht weniger, als die Gesundheitsversorgung der Zukunft. Nun sind die Forderungen auch aus Verbands-, Kassen- und Hochschulperspektive öffentlichkeitswirksam begründet. Mit anderen Worten: Die Karten liegen auf dem Tisch. Jetzt ist es an der Politik das Blatt aufzunehmen.

Einen ausführlicheren Bericht zum 3. TherapieGipfel finden Sie auf der Homepage des SHV unter: www.shv-heilmittelverbaende.de/therapiegipfel/

Hier finden Sie den Link zur Videoaufzeichnung der Veranstaltung.